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„...wer Authentisches über die Befindlichkeit der jungen Generation aus der einstigen DDR erfahren will, der findet sie in der Vollkommenheit dieses
Kunst-Werks. In einer Sprache, die vom Dadaismus, dem Surrealismus, der konkreten Poesie weiß und doch völlig eigenständig bleibt. Lebendig ist Leben nur, wenn es die Lebensmuster durchbricht. Jede
Spracherlernung ist Anpassung an ein zwingendes Regelsystem.
Und die Freiheitshoffnungen der Menschen sind nicht identisch mit ihren Freiheitsfähigkeiten. „Die Liebe ist unsere Freiheit: Sie ist jenseits von “Es muß sein”, heißt es bei Milan Kundera. Und so sind viele der Gedichte von Thomas Kunst Liebesgedichte. In einem Spiel der Transpositionen, der Verschiebung von Worten im Satzgefüge, die den herkömmlichen Sinn brechen – auf der Suche nach Epiphanien – entstehen junge Sätze nach den alten Regeln der Sehnsucht. Die Lyrik des Thomas Kunst vermittelt das Gefühl der Sympathie mit den stummen Dingen – immer wieder kommen sie auf seine Subjekte zu und setzen diese erst in Bewegung - vermitteln ein Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Körper in dieser irdischen räumlichen Welt, als bestünde der Körper dieses Dichters aus lauter Chiffren, die ihm alles aufschließen: „zu guter letzt / bitt ich dich um zwei blanke dublonen aus deinem lederzeug/leg sie in die kuhle der toten möwe über die augen / dass sich die see gleichmässig in den dünen verteilt / denn das ist der Punkt an dem sich die stämme sammeln zum flooss.“”
DIE WELT, 12.02.1992
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