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„Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd? Auch der immerhin schon vierte Lyrikband des Mittdreißigers provoziert bereits durch seinen
ungewöhnlichen Titel. Besorg noch für das Segel die Chaussee; Medelotti oder Die Verteilung des Lächelns bei Gegenwehr nennt Thomas Kunst seine Bücher, die in immer anderen Verlagen und Ausstattungen erscheinen
und somit auch jeweils unterschiedliche Lektüreweisen auslösen.Vielleicht liegt’s ja an der jahrelangen Arbeit in der Deutschen Bücherei Leipzig, dass Thomas Kunst als Autor nicht nur mit Textformen,
sondern auch mit Buchformen experimentiert und seine Titel jeglicher Katalogisierung durch Kollegen entzieht? Wechselte er in früheren Bänden noch mühelos zwischen den Gattungsgrenzen hin und her, so werden jetzt
„Gedichte“ und andere Texte unterschieden: im Herbst erscheint ein Roman.Was für seine Titel gilt, findet auch innerhalb der Lyrik eine Entsprechung: Sie changiert zwischen Originalität und Manierismus,
behauptet ihren eigenen Ort in der Sprache und entzieht sich, spielt souverän auf der Klaviatur bekannter Metaphern und produziert ununterbrochen neue. Dabei entsteht eine faszinierende Spannung zwischen
ausgestellter Naivität und artifizieller Verdunklung, nichts ist
fixierbar, jede Aussage entgleitet dem/der Lesenden: Schaum, der märchenhaft schillert und schnell vergeht, kaum festzuhalten, es sei denn in der Erinnerung eines Gefühls von Leichtigkeit.“
Birgit Dahlke, Kreuzer spezial 3/98
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