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Was wäre ich am Fenster ohne Wale

Gedichtete Geschichten

Ob er ein Gedicht über die Liebe oder ein Sonett über eine sterbende Hündin schreibt, Thomas Kunst beherrscht sein Fach. Mit Liebe zu alten und zu neu erfundenen Wörtern lässt er im Gedichtband "Was wäre ich am Fenster ohne Wale" fröhliche und melancholische Stimmungen erwachen.

Gedichtbände werden immer seltener. Das mag zum einen daran liegen, dass um sie zu lesen, etwas mehr Ruhe und Konzentration erforderlich ist, ein rares Gut im heutigen Alltag, oder daran, dass es kaum mehr Dichter gibt, die groß verlegt werden. Gedichtbände verschenkt man oft, für sich selber kauft man sie selten. Ein Band, den es sich lohnt für sich zu kaufen, ist Thomas Kunsts "Was wäre ich am Fenster ohne Wale". Schon über den Titel kann man kaum hinweg lesen.

Ein Dichter, der erzählt
Die Gedichte von Thomas Kunst lassen sich schwer einheitlich beschreiben. Es gibt kurze Gedichte, die über wenige Zeilen gehen, es gibt lange, die sich über mehrere Seiten erstrecken, es gibt Sonette, es gibt solche, sie sich reimen und solche, die schon fast Prosa sind. Was man nicht finden wird, sind abstrakte, nicht narrative Gedichte. Wenn man schlicht keine Gedichte mag, da diese oft abgehoben und gegenstandslos sind, so gilt dies nicht als Ausrede, jene von Thomas Kunst nicht doch zu lesen. Oft erinnern diese nämlich an Kürzestgeschichten und oft haben die Verse eine Handlung. Diese ist mal lustig, mal traurig, mal nachdenklich, mal dreht sie sich um Liebe, mal um eine scheinbar triviale Beobachtung aus dem Alltag. Gewürzt sind die Gedichte mit tollen Wortneuschöpfungen und Sprachspielen.

Fans von guten Gedichten werden von "Was wäre ich am Fenster ohne Wale" begeistert sein. Die Gedichte sind originell, unprätentiös und haben Tiefe. Ein weiteres Mal ist Thomas Kunst ein guter Lyrikband gelungen, der es verdient hat, gelesen und genossen zu werden.

Lukas Hunziker, Plebs, Ausgabe Nr. 127 vom 15. April 2005, www.plebs.ch

 

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